Heilen, pflegen, begleiten – Dienste besonders der Frauen, die Ostercappeln geprägt haben
Was viele Menschen heute hier vermissen, war von St. Raphael aus Jahrzehnte selbstverständlich. Seit Schließung des Krankenhauses Ende Juli 2025 ist diese wohnortnahe Versorgung Geschichte. Eine akute Wundversorgung, Betreuung bei schweren Erkrankungen oder Begleitung eines Menschen auf seinem letzten Lebensweg ist schwerer geworden. Dabei darf nicht vergessen werden, wie Gesundheitsversorgung sich bei uns im Vergleich zu anderen Ländern erfolgreich entwickelt hat. So lohnt es, auf Frauen zu schauen, die Verantwortung übernommen und ihren Dienst am Nächsten geleistet haben wie in Ostercappeln Diakonissen im II. Weltkrieg (evakuiert aus dem Städtischen Krankenhaus Osnabrück, Chirurgie) und hier - vorgestellt die Thuiner Franziskanerinnen im St. Raphaelstift; So war es in Ostercappeln und ist es anderswo:
Krankenhaus St. Raphael Franziskanerin Diakonisse – Zehlendorfer Verein Sr. M. Laurenza Brockmöller Schwester Gretel, evakuiert aus Osnabrück
1910 -1917 und 1921 – 1949 1943 - 1951
Das Wirken der Ordensfrauen, aber auch der Diakonissen erschöpft sich zwar überwiegend in der Krankenpflege; doch kümmern sie sich auch um Alte und Kranke, begleiteten Menschen mit Behinderungen, leisten ehrenamtliche Dienste und übernehmen gerade auch in der Hospizarbeit Aufgaben, die menschliche Nähe, fachliches Können und große innere Stärke verlangen. Wie anspruchsvoll ein solcher Lebensweg für Ordensschwestern ist, wissen heute nur wenige Bürger und sei hier einmal vorgestellt, und verdient, einmal genauer betrachtet und gewürdigt zu werden. Eine Frau, die sich für ein Leben als Franziskanerin entscheidet, wählt nicht einfach einen Beruf. Sie entscheidet sich für eine Lebensgemeinschaft und für einen Dienst, der ihr persönliches Leben nachhaltig ändern und prägen soll. Dem Eintritt in das Ordensleben geht ein langer Prozess der Prüfung, der persönlichen Reifung und der Vorbereitung voraus. Auf eine erste Kandidatur und das Postulat folgt das zweijährige Noviziat. In dieser Zeit werden die jungen Frauen Schritt für Schritt mit dem religiösen Leben, der Gemeinschaft und den Regeln ihres Ordens vertraut gemacht. Mit der ersten Profess bekennen sie sich zu den Gelübden der Armut, des Gehorsams und der Bindung an die Gemeinschaft. Die zeitlichen Gelübde werden zunächst wiederholt, bevor nach mehreren Jahren ewige Profess und damit die endgültige Bindung an Gott und die Gemeinschaft möglich wird. Vorher oder parallel erwerben die Schwestern eine berufliche Qualifikation – beispielsweise in der Krankenpflege (heute Pflegefachfrau), als Lehrerin, Hauswirtschafterin oder in einem anderen für ihren Dienst wichtigen Beruf. Fachliche Ausbildung und persönliche Berufung gehen Hand in Hand. Das bedeutet: Hinter dem selbstverständlichen Bild der Schwester, die am Krankenbett steht, Menschen pflegt, Angehörige begleitet oder Sterbenden beisteht, steht ein jahrelanger Weg der Ausbildung, der persönlichen Reifung und der bewussten Entscheidung für ein Leben im Dienst an anderen. Wer das Leben liebt, muss lernen, es zu achten und zu bewahren – nicht nur das eigene, sondern auch das Leben des Mitmenschen. Dazu gehören fachliches Können, menschliche Zuwendung, Empathie und Bereitschaft, die eigenen Fähigkeiten in den Dienst anderer zu stellen. Viele Franziskanerinnen haben diesen Weg in Ostercappeln gelebt. Sie haben ihren Glauben und ihre Gemeinschaft mit ihrem beruflichen Können verbunden und zugleich die Zeichen der Zeit wahrgenommen. Sie waren Teil des Dorfes, begegneten den Menschen offen und haben das gesellschaftliche Leben viele Jahre mitgeprägt. Ihr Wirken ist nicht nur ein Kapitel aus der Geschichte des Krankenhauses St. Raphael., sondern auch Geschichte unseres Dorfes. Daran möchte der Verein „Starkes Dorf“ erinnern, nicht aus nostalgischer Rückschau, sondern aus Dankbarkeit und Wertschätzung für Frauen, die einen großen Teil ihres Lebens dem Dienst an anderen Menschen gewidmet haben. Eine Stele auf dem Friedhof Ostercappeln soll künftig an dieses Wirken erinnern. Auch ein Liederabend „Nacht und Sterne“ in der Pauluskirche am 18. Oktober um 17 Uhr mit Prof. Michael Schmoll (Klavier) und Sigrid Heidemann (Sopran), soll dazu beitragen, diese Erinnerung lebendig zu halten. Was uns heute selbstverständlich erscheint oder was wir jetzt vermissen, wurde über Jahrzehnte von Menschen getragen, deren Dienst still, selbstverständlich und oft ohne Aufheben geschah. Denen gelten unsere Erinnerung und unser Dank.
Gemeinde Ostercappeln im Blick von Osten
Über dem Dorf ragt die neugotische Kirche St. Lambertus (1872) mit altem romanischen Turm, Gotteshaus einer Gemeinschaft, die das Leben des Ortes bis in die ersten Zweitausender Jahre um fassend bestimmt hat. Rechts im Bild erkennt man das „Klösterchen“, Geburtsstätte des Krankenhauses St. Raphael (1898 bis 2025), erster Wohnsitz der drei Gründungsschwestern
Bild zur Meldung: Schwester Gretel -Diakonisse evakuiert von 1942 - 1951 nach Ostercappeln